Fehrenbach. Holistic Sustain.

Ausstellung. Seminar. Agora. Brunch. From Nature to Nature

Biomaterials, Transformation, Future, Circularity

FROM NATURE TO NATURE.

HESSEN DESIGN x HAUTE INNOVATION

Designhaus Darmstadt, Eugen-Bracht-Weg 6
 


Programm:

AGORA ROUND TABLE - Neue Ressourcen für Biomaterialien

5. Februar 17:30 - 21:00 Uhr

Interdisziplinäre Gesprächsrunde zur Zukunft der Kreislaufwirtschaft: Expert:innen diskutieren Herausforderungen und neue Biomaterialien.

– Stephan Koziol (Koziol, Erbach)
– Pia Himmelsbach (vepa, NL)
– Dr. Julian Aschoff (DOEHLER GmbH, Darmstadt)
– Anna Bruder (Adidas Innovation, Herzogenaurach), angefragt
– Montgomery Wagner (revoltech, Darmstadt)
– Sarmite Polakova (Studio Sarmite, Frankfurt)
– Jonathan Radetz (Studio Jonathan Radetz, Frankfurt)
– Bernd Görtz (Bernd Görtz Studio, Hamburg)
– Fabian Ziervogel (Fraunhofer IWU, Dresden)
– Christine Fehrenbach (Hessen Design, Darmstadt)
– Prof. Dr. Sascha Peters (Haute Innovation, Berlin)

Seien Sie Gast: Tickets unter: Eventbrite-Agora

 

WORKSHOP: Mycoustics und 3D Druck mit Holz

6. Februar 14:00 - 16:00 Uhr

Erleben Sie im Workshop, wie aus Pilzen ein Lautsprecher entsteht und drucken Sie Ihr eigenes Design aus einer mit Myzel angereicherten Holzpaste. Fraunhofer Forschende geben Einblicke in ihre aktuellen Entwicklungen und präsentieren ein bahnbrechendes zirkuläres Konzept für elektrische Produkte und Lautsprecher mit außergewöhnlichen akustischen Qualitäten.

Limitierte kostenfreie Tickets unter: Eventbrite-Workshop

 

VORTRAG: Biozirkuläre Designmaterialien der Zukunft

7. Februar stündlicher Vortrag und Führung durch die Ausstellung „From Nature to Nature“

Prof. Dr. Sascha Peters bietet im Rahmen der Ausstellung „From Nature to Nature“ am 7. Februar stündliche Präsentationen und Führungen an und gibt einen Deep Dive in die vielfältigen Innovationspotenziale der gezeigten Materialien und Demonstratoren. In einem Ausstellungsbereich geht es um das Innovationspotenzial hochentwickelter pilzbasierter Materialien und Werkstoffe. Lassen Sie sich überraschen!

Beim Übergang von einer linearen in eine zirkuläre Wirtschaftslogik kommt es vor allem darauf an, die in unseren Produkten genutzten Rohstoffe und Materialien vollständig in technischen und biologischen Kreisläufen zu halten. Dabei hat sich in den letzten Jahren eine neue Generation von Biomaterialien entwickelt, die hohen technischen Anforderungen genügen aber am Ende des Lebenszyklus der Natur als Nährstoffe zur Verfügung stehen können.

Neue Generation hochentwickelter Naturstoffe

Egal ob Baumrinden für Schuhe oder Jacken, Algenschaumstoffe für Polstermöbel oder verpresstes Kraftpapier für Sitzschalen oder Elektronikteile: Eine neue Generation von Biomaterialien befindet sich derzeit auf dem Sprung in den Markt, die für Designer aller Branchen hinweg neue Innovationsmöglichkeiten birgt und hochinteressante zirkuläre Geschäftsmodelle erschließen kann.

 

BRUNCH: Materialküche der Natur - Future Food Designers Brunch

8. Februar 12:00 - 15:00 Uhr

Kosten Sie Snack-Erlebnisse und süße Backwaren aus Algen, Insekten und Pilzen deren Rezepte auf ähnlichen Rohstoffen basieren wie einiger in der Ausstellung präsentierten Materialinnovationen. Diana Drewes gibt Auskunft darüber, wie sich die Innovationszyklen im Food- und Designbereich annähern und welche Rückschlüsse sich aus den Kreationen der Haute Cuisine für Interior-Architektur, Fashion Design und zukünftige Tischkultur ergeben.

Ob Klebstoffe aus Erbsenproteinen, Verpackungen aus Biertrester oder Tischkultur aus Zirtrusfrüchten, durch die zunehmende Bedeutung von Biomaterialien für die Industrie rücken die Innovationsprozesse im Design- und Foodbereich immer näher zusammen. Am letzten Tag unserer Ausstellung „From Nature to Nature“ zeigt Diana Drewes einige spannende Zusammenhänge zwischen der materiellen und geschmacklichen Welt auf.

Wir befinden uns am Beginn einer großen Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Bei der Gestaltung eines neuen Wirtschaftssystems mit zirkulären Geschäftsmodellen übernehmen Produktdesigner eine entscheidende Rolle. Denn sie sind es, die den zukünftigen Ressourcengebrauch planen und den Materialkreisläufen in der Produktkultur von Morgen eine Form geben.

Zellulose, Algen, Pilze –  Neue Ressourcen für Biomaterialien

In diesem Zusammenhang wird die neue Wirtschaftslogik in Harmonie mit der Natur funktionieren müssen. Dies betrifft vor allem die Branchen, in denen traditionell ein großer Anteil natürlicher Materialien Verwendung findet, bzw. kurzlebige Produkte, die bislang meist mit synthetischen Kunststoffen umgesetzt werden.

Möbel aus Hanffasern, Textilien aus Orangenschalen oder 3D-gedruckte Lautsprecher aus Pilzmyzel: Hochentwickelte Biomaterialien finden derzeit ihren Weg in die Märkte. Das Phänomen geht dabei mit einer Abkehr von synthetischen Werkstoffen einher, die als Ursache für Mikroplastik in der Natur gelten und einen hohen CO2-Fußabdruck haben.

In der Ausstellung „From Nature to Nature“ zeigt die Zukunftsagentur Haute Innovation in Kooperation mit Hessen Design Beispiele hochentwickelter Biomaterialien und ihre Potenziale für eine Circular Economy. Die Materialien können sowohl im technischen als auch biologischen Kreislauf zirkulieren und haben keinen negativen Einfluss auf Gesundheit und die Natur.

Die Ausstellung wird mit einem Agora Round-Table am 5. Februar 2026 eröffnet. Unternehmen, Materialhersteller und Designer diskutieren die Bedeutung innovativer Biomaterialien für eine Produktkultur der Zukunft und gestalten ein Spannungsfeld für neue Geschäftsmodelle der Zukunft.

Agora und Ausstellung sind Teil der World Design Capital Frankfurt Rhein Main WDC 2026: www.wdc2026.org

Unter anderem werden die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Mycoustics“ gezeigt, die aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Förderrichtlinie DATIpilot gefördert werden.

www.hessendesign.de

www.haute-innovation.com

Dokumentation von Marco Metternich - Museologie I Designtransfer

Marco Metternich vereint langjährige Erfahrung aus Institutionen wie dem Rat für Formgebung, dem IDZ, der GfDG und Hessen Design mit einer profunden geisteswissenschaftlichen Basis. Als Medienwissenschaftler, Ethnologe und Soziologe (Magister Marburg/Berlin) ergänzt durch die Museologie (Oldenburg) – zertifiziert nach den Standards des Deutschen Museumsbundes – bewegt er sich an der Schnittstelle von angewandter Museologie und Designtransfer.

Seit drei Jahren widmet er sich der Fragestellung, wie Design als interdisziplinäres, lernendes System fungieren kann. Dabei nutzt er museale Ansätze und Methoden, um Design als zentralen Bestandteil von Identifikationsprozessen zu verstehen, der innerhalb der komplexen, allgegenwärtigen Transformationsprozesse unserer Zeit stattfindet.


Design als lernendes System

Am 05. Februar fand im Designhaus Darmstadt der Agora Roundtable als begleitendes Diskursformat zur Ausstellung „From Nature to Nature“ statt. Die von Prof. Dr. Sascha Peters (Haute Innovation, Berlin) und Christine Fehrenbach (Hessen Design e.V.) organisierte Runde zum Thema „Neue Ressourcen für Biomaterialien“ war mit acht Expert:innen interdisziplinär hochkarätig besetzt und zeigte, warum der europäische Wirtschaftsraum aktuell im Zentrum der globalen Aufmerksamkeit für die zirkuläre Transformation steht.

Aber von vorn. Die Haltung von Hessen Design versteht Design als interdisziplinäres, lernendes System, das im Agora Roundtable exemplarisch Anwendung findet. Hier wird die Kernphilosophie des Vereins sichtbar: zuhören, hinterfragen, ausprobieren und kontinuierlich lernen was Gestaltung ausmacht und wie sie zugleich gerecht, wirksam und zukunftsfähig sein kann. Durch intensiven Austausch, vielfältige Veranstaltungsformate und eine enge Mitgliederpflege sind über die Jahre Thesen entstanden, die sich in der aktuellen Marktsituation als besonders relevant erweisen.
Der Agora Roundtable in Darmstadt ist Teil dieses kontinuierlichen Prozesses und kein Einzelereignis, sondern die konsequente Fortführung einer langjährigen, regional verankerten Netzwerkarbeit mit laufender Wissensproduktion.

Die Ausstellung „From Nature to Nature“

Den Einstieg in den Abend bildete eine detaillierte Führung durch die (digitale) Version der Ausstellung „From Nature to Nature“. Prof. Dr. Sascha Peters, Gründer und Leiter der Innovationsagentur Haute Innovation, eröffnete ein Spektrum, das von seinem Kuratierungskonzept zu Biomaterialien über das von Haute Innovation in Zusammenarbeit mt dem Frauenhofer-Institut entwickelte Kernelement der Ausstellung, das Lautsprecher 3D-Druckverfahren “Mycoustics”, bis hin zur Konzeptarbeit „Bio Battery“ von Gustav Nyström (Empa, CH) reichte.

Politische Rahmenbedingungen

Pia Himmelsbach vom Möbelhersteller VEPA hob anschliessend die Rolle der Finanzindustrie hervor, die mit ESG-Kriterien erheblichen politischen und wirtschaftlichen Druck aufgebaut hat und damit einen Innovationsmotor mit spürbarem Impact geschaffen hat. „Niemand hat auf einen weiteren Möbelhersteller gewartet“, so Himmelsbach, doch der durch diesen ökonomischen und ökologischen Wandel entstandene Schwerpunkt auf Ressourcenmanagement und Rücknahmesysteme hat VEPA zu einem Player gemacht, der durch zirkuläre Modelle einen klaren USP entwickelt. Vor diesem Hintergrund wurden auch die politischen Zielsetzungen der Niederlande diskutiert, bis zum Jahr 2030 weitgehend auf fossile Ressourcen zu verzichten und bis 2050 eine vollständig kreislauffähige Wirtschaft zu etablieren. Das unterstrich eine zentrale Erkenntnis: Fortschritt entsteht dort vor allem durch systemische Kooperation statt durch isolierte Einzelbemühungen.

 

Regionale Innovationskraft: revoltech und Döhler

Im weiteren Verlauf der Runde wurde mehr und mehr der Standortvorteil Hessens deutlich: Auf dieser Agora gelang Hessen Design eine profunde Bestandsaufnahme der regionalen Innovationskraft. In Darmstadt konzentrieren sich Unternehmen, die für die internationale Materialwende von strategischer Bedeutung sind. Zum einen das Start-up Unternehmen revoltech, das mit LOVR ein Hanffaserflächentextil präsentierte, das methodisch an die traditionelle Papierherstellung anknüpft. revoltech befindet sich aktuell in einer entscheidenden Entwicklungsphase und bekannte sich klar zum Standort Darmstadt, um nun – jenseits des anfänglichen Innovationshypes – in eine Phase der Industrialisierung einzutreten und die Skalierbarkeit der Produktion etwa für die Automobilindustrie von hier aus zu realisieren.

Eine weitere wichtige Rolle spielte die Döhler GmbH. Als weltweit agierendes Familienunternehmen mit über 10.000 Mitarbeitenden fungierte Döhler mit Dr. Julian Aschoffals fachlicher Anker der Runde. Er brachte einen kontinuierlichen „Reality Check“ in die Runde ein, der die Diskussion immer wieder an industrielle Maßstäbe rückband. Ein wesentlicher Punkt war seine Beobachtung, die die Lebensmitteltechnologie mit der Medizin vergleicht und Design als integrierten, wissenschaftlich fundierten Prozess versteht. Die strukturelle Ähnlichkeit grundlegender Studienansätze in Naturwissenschaft und Gestaltung verdeutlicht hier das Potenzial für eine noch engere Verzahnung dieser Felder.

Wo stehen wir? Die Perspektiven des Agora Roundtable

In der Diskussion um die Frage „Wo stehen wir nun?“ wurden unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt: Designer Jonathan Radetz betonte die Erweiterung der Wertschöpfungsketten durch Design in der Selektion neue Materialien und materialbasierte Services. Designerin Sarmite Polakova ergänzte, wie sie die natürliche Sensitivität von Rohstoffen mit produktspezifischer Funktionalität verbindet. Nämlich samtweich und präzise. Bernd Görtz benannte daraufhin die Grundlage des Designverständnisses als lernendes System und griffdamit den eingangs erwähnten Ansatz von Prof. Dr. Sascha Peters auf: Es geht darum, Prozesse radikal offenzulegen und miteinander zu teilen. Nicht auf geschäftlicher Ebene – das dürfe niemand erwarten –, sondern um grundlegende Evidenz sichtbar zu machen, die in eine offene, geteilte Community mündet. Darauf zielte auch die Forderung von Annette Lang (VDID), die sich eine Forschungsmatrix als Open-Source-Quelle wünscht. Diese sollte den aktuellen Entwicklungsstand bei Biomaterialien transparent machen, damit nicht überall gleichzeitig mit hohem Aufwand dasselbe neu entdeckt werden muss. Aus dem Publikum kamen Impulse zur Bedeutung dieser Communities und Netzwerke, die die Transformation mittragen. Zugleich wurde Design als Praxis beschrieben, die systemische Probleme sichtbar macht, statt sie zu kaschieren (Kai Rosenstein/ WDC). Inmitten dieser Perspektiven gelingt es Hessen Design, den Diskurs souverän zu moderieren und zu führen. Hier treffen Akteur:innen zusammen, die Design als Instrument der Wirtschaftsförderung verstehen.

Hessen Design als Kurator von Wissensprozessen

Die Veranstaltung macht einmal mehr deutlich, dass der Verein als treibende Kraft agiert, die Design als wirksames Instrument der Wirtschaftsförderung einsetzt. Über die Rolle des Gastgebers hinaus schafft er Plattformen, auf denen gesellschaftliche Bedürfnisse, technologische Innovationen und industrielle Anwendbarkeit zusammenfinden. Aus den gesammelten Erfahrungen und diversen Case Studies entstehen Thesen, die Organisationen in dynamischen Transformationsprozessen Orientierung bieten. Durch die Moderation des Dialogs zwischen Design, Forschung, Start-up-Kultur und etablierter Weltmarktexpertise leistet Hessen Design einen wesentlichen Beitrag zur Standortsicherung. Es geht nicht mehr allein um die Präsentation von Objekten, sondern um die Kuratierung von Wissensprozessen, die den hier beschriebenen Übergang in eine biobasierte Wirtschaft überhaupt erst operabel und damit möglich macht.